Activating Next Generation Leadership – Beyond Leadership

Einen Skript oder eine Präsentation zu dieser Lerneinheit haben wir nicht erhalten. Im Vorfeld wurde uns ein wissenschaftlicher Bericht über den unschätzbaren Wert von positiven Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden auf die Lernplattform aufgeschaltet.

Ein dreier-Dozententeam begrüsst uns in den Tag: Matthias Mölleney, Patrick Cowden und Erfried Pahlen.

Gespannt über was uns an diesem Tag erwarten wird, sitzen wir an unseren Pulten. Matthias Mölleney erzählt uns, wie er auf seiner Suche nach Instrumenten um eben diese im wissenschaftlichen Bericht erwähnten positiven Arbeitsbeziehungen nachhaltig zu gestalten, auf das von Patrick Cowden entwickelte Instrument „Beyond Leadership“ gekommen ist. Die von ihm geschilderte anfängliche Skepsis gegenüber dem Versprechen von Patrick Cowden, die Kultur in nur 18 Minuten nachhaltig positiv zu verändern, kann ich voll und ganz teilen. Quickfix-Instrumente, die in Null-Zeit meine fundamentalen und soziokulturellen Probleme lösen, verdienen zu Recht eine gute Portion Skepsis. Wir warten gespannt und vielleicht auch ein wenig verunsichert auf das was noch kommt.

Patrick Cowden nimmt uns mit auf die Reise in die Welt von Beyond Leadership: „Wenn wir irgendwohin gehen, wo wir noch nie waren, betreten wir Neuland, Unbekanntes. Um die Herausforderungen des Unbekannten (Neuland) meistern zu können, müssen wir zurück zur Quelle – zum Menschen. Es ist der Mensch der den Wandel gestaltet, darin arbeitet und die Technik verwaltet. Noch. Deshalb muss auf dem Weg zur Quelle die Technik auch aussen vor bleiben. Sie hilft uns nicht zur Quelle zu finden“.

Wir schieben die Pulte zusammen und setzen uns mit unseren Stühlen in einen Kreis – ohne Schreibzeug, Handy, Papier etc. Um den Menschen zu finden, würden diese Hilfsmittel nur ablenken. Die Spannung steigt.

Patrick fragt uns ob wir bereit seien „beyond“ zu gehen? Und ob! Es fühlt sich an wie das Klicken der Wagen auf der Achterbahn wenn sie auf den Berg klettern um dann in rasantem, adrenalingeladenem Tempo alle Kurven und Loopings abzufahren. Just in diesem Moment kommt das Bedürfnis einer Biopause – kennzeichnend für alle Momente im Leben wo volle Konzentration auf das Unbekannte gefordert ist. Der Mensch ist eben Mensch!

Zurück aus der Pause, treffen wir uns im Kreis und starten mit dem Check-in – der Beantwortung der Frage: „wie fühle ich mich (Wie geht es mir?)? Was wünsche ich mir“? Nach dieser Fokus-Runde führt Patrick uns in die erste Stufe des Beyond Leadership ein: Wir formieren uns in 3er Gruppen – jede Person wird zwei Minuten Zeit erhalten um auf die Frage „Wer bin ich und warum bin ich hier“? zu antworten (Stufe Connect). Die beiden andern hören die vollen zwei Minuten zu (ja, auch dann, wenn der Erzähler nur eine Minute hörbar spricht) und werden anschliessend je eine Minute dem Erzähler positive Wertschätzung geben – ausschliesslich positive Wertschätzung. Danach treffen wir uns in zwei 6er-Gruppen und tauschen über das in der Übung Erlebte aus. Wie wohltuend so viel Positives zu hören, zu erleben, überwältigend wie die Zuhörer innerhalb zweier Minuten, Eigenschaften und Talente entdecken und diese wertschätzen. Ich fühle mich akzeptiert, Teil der Gruppe und wertgeschätzt – ich darf sein wer ich bin. Spannend. Und das innerhalb von 12 Minuten.

Wir wiederholen diese Sequenzen vier Mal mit jeweils anderen Fragestellungen und kürzeren Zeitabständen. Die jeweils andere Fragestellung entspricht einer jeweils neuen Stufe im Beyond Leadership Konzept. So lautet die zweite Frage(Stufe “Align“): „Wer sind wir und warum sind wir hier“? Die dritte Frage lautet (Stufe „Imagine“): „Was könnte aus uns werden und wie schön könnte es sein“? Die vierte Frage (Stufe „Commit“): „Was ist mein Beitrag damit es so wird? Was tue ich dazu“?

Zwischen den Fragerunden treffen wir uns immer entweder in einer 6er oder in der 12er Gruppe zur Reflexion. Von Fragerunde zu Fragerunde wird die freigesetzte positive Energie deutlich spürbar – so, dass wir die Fenster öffnen müssen, weil es zu warm wird. Bilde ich mir das ein oder ist das Wirklichkeit? Das Erlebnis, dass jeder in der Gruppe angehört wird, für seinen Beitrag wertgeschätzt wird, kreiert eine Atmosphäre von Vertrauen, Respekt und dem Wunsch mit dem Gegenüber „Pferde zu stehlen“ oder „Bäume auszureissen“. Das in der Checkout-Runde erwähnte vorherrschende Gruppengrundgefühl ist, dass wir eine aus fähigen, vertrauenswürdigen und nahbaren Menschen zusammengesetzte Gruppe sind, die zusammen fast alles wird bewältigen können, weil wir wissen wen wir als Gegenüber in unserem Team haben.

Mittagspause.

Nach der Pause will Patrick von uns wissen, wie wir den Nachmittag gestalten wollen. Es sei unsere Ausbildung und wir sollen entscheiden wie es weiter gehen soll. Die Gruppe ist still und denkt nach. Nach ein paar Momenten der Stille, gefühlte 15 Minuten, melden sich die ersten mit Ideen. Die Diskussion beginnt. Ein Vorschlag jagt den andern. Wo zuerst noch respektvolles Zuhören und Ausreden lassen herrschte, will bald jeder die Gruppe mit seiner Idee überzeugen – eine Präsentation der Kräfte. Das Bewusstsein von Vertrauen, Respekt und Wertschätzung, das wir vor der Pause so eindrücklich erlebt haben, ist weg – spurlos verschwunden. Zurück bleibt das Gefühl von leerer ungenutzter sinnloser Zeitverschwendung. Beziehungsweise ein uns allen bekanntes Déjà-vu mit fruchtlosen Sitzungen im Arbeitsalltag. Zu allem Elend wollen die drei Dozenten uns einfach nicht in der Entscheidungsfindung unterstützen. So fühlt es sich vermutlich an, wenn man neue Herausforderungen mit alten Methoden lösen will? Zur Erlösung aller, greift Patrick ein und erklärt uns weshalb er uns nicht helfen wollte und benutzt das Bild vom Kleinkind das gerade erst laufen lernt. Erfolgreich laufen lernt das Kind nur, wenn es selber herausfinden darf, wie es nach dem Umfallen wieder auf die Beine kommt und die Muskeln dadurch trainiert werden. Soweit so gut. Und jetzt? Wir entscheiden uns für eine Runde „Connect“ – „wer bin ich und warum bin ich hier“? In der Reflexionsrunde stellen wir fest, dass der Energielevel zurück ist und wir wieder bereit sind konstruktiv an die Frage heranzugehen. Wir wollen das Gelernte und Erfahrene irgendwie weitergeben. Sollen wir auf die Strasse gehen und den Versuch mit wildfremden Personen starten? Oder ein andere Klasse beglücken? Innert kurzer Zeit beginnt die Diskussion erneut. Wir kommen zu keinem befriedigenden Entscheid. Schlussendlich einigen wir uns, dass wir die vier Stufen des Beyond Leadership in 9 Minuten versuchen zu machen um zu einer Antwort zu finden. Wir sind alle erneut begeistert, wie die Energie und das Bewusstsein von Vertrauen, Respekt und Wertschätzung zurück kommen. Für mich stellt sich die Frage: und wie nutzen wir dieses Bewusstsein nun für die Problemlösung oder Entscheidungsfindung – wie wird aus der vierten Stufe „Commit“ schlussendlich eine gewinnbringende fünfte Stufe „Act“? Mit dieser Frage verabschiede ich mich in der Checkout-Runde und bin dankbar, meine Eindrücke beim Bier mit meinen Klassenkolleginnen verarbeiten zu können. Ich will unbedingt herausfinden wie der Übergang von der 4. Stufe „Commit“ zur 5. Stufe „Act“ aussehen kann. Denn ohne diesen Übergang scheint mir, ist das Instrument wertvoll um die Basis der Zusammengehörigkeit zu schaffen, nicht aber um gemeinsam Ziele zu definieren und zu erreichen. Meine Neugierde wird am nächsten Tag belohnt!

Aus dem Unterricht des CAS Next Generation Leadership 2017 mit Patrick Cowden, Erfried Pahlen und Matthias Mölleney berichtet Caroline Miglioli

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